Sanitärtechnik

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22.06.2026

EU-Richtlinie 2020/2184: Neue Vorschriften für Materialien, die mit Trinkwasser in Berührung kommen

Ein Überblick über die neuen europäischen Vorschriften zur Trinkwassersicherheit, zur Verringerung der Bleifreisetzung und zur Harmonisierung von Materialien, die mit Wasser in Berührung kommen.

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Was ist die Richtlinie (EU) 2020/2184 und welche Ziele verfolgt sie?

Die Richtlinie (EU) 2020/2184, bekannt als Drinking Water Directive (DWD), stellt eine bedeutende Aktualisierung des europäischen Rechtsrahmens für die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch sowie für Materialien dar, die mit Trinkwasser in Berührung kommen.

Die Richtlinie führt einen europaweit harmonisierten Ansatz zur Bewertung von Materialien und Produkten ein, die in Trinkwasserverteilungssystemen eingesetzt werden. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Gesundheitsschutz sowie auf der Verringerung der Freisetzung potenziell schädlicher Stoffe, insbesondere von Blei.

Neue Grenzwerte für Blei im Trinkwasser

Zu den wichtigsten Neuerungen der Richtlinie gehört die schrittweise Senkung des Grenzwerts für Blei im Trinkwasser:

  • Derzeitiger Grenzwert: 10 µg/L

  • Neuer Grenzwert: 5 µg/L

  • Vollständige Anwendung: bis zum 12. Januar 2036

Der Grenzwert bezieht sich auf das Wasser an der Entnahmestelle (Wasserhahn des Endverbrauchers) und berücksichtigt den gesamten Beitrag der Materialien sowohl im öffentlichen Verteilungsnetz als auch in der Hausinstallation.

Materialien mit Trinkwasserkontakt: das System der European Positive Lists

Die Richtlinie sieht die Einführung eines harmonisierten Systems zur Bewertung von Materialien mit Trinkwasserkontakt vor, das auf den sogenannten European Positive Lists (Europäische Positivlisten) basiert.

Dieses Konzept verfolgt folgende Ziele:

  • Harmonisierung der Anforderungen in den EU-Mitgliedstaaten;

  • Verbesserung der Sicherheit der verwendeten Materialien;

  • Verringerung der Unterschiede zwischen den nationalen Vorschriften;

  • Erleichterung des freien Warenverkehrs innerhalb des europäischen Binnenmarkts.

Die Positivlisten legen die zulässigen Stoffe, Materialzusammensetzungen und Verwendungsbedingungen für verschiedene Materialien mit Trinkwasserkontakt auf der Grundlage wissenschaftlicher Kriterien zur Stofffreisetzung fest.

Das System befindet sich derzeit in der schrittweisen Umsetzung.

Bleiarme Metalllegierungen: Was ändert sich?

Im Bereich der Kupferlegierungen für Ventile, Fittings und Sanitärkomponenten lenkt der neue europäische Rechtsrahmen den Markt zunehmend in Richtung Materialien, die eine geringere Bleifreisetzung und gleichzeitig hohe hygienische sowie technische Leistungsfähigkeit gewährleisten.

In diesem Zusammenhang richtet sich das Interesse verstärkt auf:

  • bleiarme Legierungen (z. B. CW509L, CW510L);

  • bleifreie oder mikrostrukturoptimierte Legierungen (z. B. CW724R und vergleichbare Werkstoffe).

Die tatsächliche Zulässigkeit einer einzelnen Legierung hängt von ihrer Bewertung im Rahmen der European Positive Lists sowie von den jeweils festgelegten Einsatzbedingungen ab.

Übergangszeitraum und Gültigkeit nationaler Zertifizierungen

Das europäische System sieht einen Übergangszeitraum vor, in dem Produkte, die den bestehenden nationalen Zertifizierungssystemen entsprechen, weiterhin verwendet werden dürfen, sofern sie die geltenden Vorschriften und Fristen einhalten.

Grundsätzlich gilt:

  • Nationale Zertifizierungen bleiben während des Übergangszeitraums gültig.

  • Bereits in Verkehr gebrachte Produkte dürfen weiterhin verwendet werden.

  • Die konkreten Anwendungsmodalitäten können je nach Mitgliedstaat unterschiedlich sein.

Diese Übergangsphase ermöglicht eine schrittweise Umstellung auf das neue harmonisierte europäische System.

Die Legierung CW617N im neuen Rechtsrahmen

Die Legierung CW617N (Messing mit kontrolliertem Bleigehalt), die häufig zur Herstellung von Sanitärkomponenten verwendet wird, gehört nicht zu den bleiarmen Legierungen, die entwickelt wurden, um den aktuellen Marktanforderungen und der Weiterentwicklung des Rechtsrahmens gerecht zu werden.

Dennoch gilt:

  • Produkte, die bereits nach den geltenden nationalen Anforderungen zertifiziert wurden,

  • und die den anwendbaren Vorschriften entsprechen,

dürfen während des Übergangszeitraums weiterhin vermarktet und verwendet werden, sofern die von den einzelnen Mitgliedstaaten und dem europäischen Rechtsrahmen festgelegten Bedingungen eingehalten werden.

Die Rolle der Europäischen Kommission und der ECHA

Die Entwicklung und kontinuierliche Aktualisierung des harmonisierten europäischen Systems erfolgen im Rechtsrahmen der Europäischen Kommission und mit wissenschaftlich-technischer Unterstützung der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA).

Ziel ist es,

  • einen harmonisierten Ansatz sicherzustellen,

  • transparente und wissenschaftlich fundierte Bewertungskriterien anzuwenden,

  • eine kontinuierliche und konsistente Weiterentwicklung zu gewährleisten.

Auf dem Weg zu einem europäischen Standard für Materialien mit Trinkwasserkontakt

Die Einführung des neuen europäischen Rechtsrahmens stellt einen wichtigen Schritt dar in Richtung:

  • größerer Harmonisierung der Vorschriften innerhalb der EU;

  • Vereinfachung der Zertifizierungsverfahren;

  • höherer Sicherheit von Materialien mit Trinkwasserkontakt;

  • schrittweiser Reduzierung des Bleigehalts in Metalllegierungen.

Es handelt sich um einen fortlaufenden Entwicklungsprozess, der die gesamte Wertschöpfungskette – von der Produktentwicklung bis zur Fertigung – umfasst.

Unsere Unterstützung bei der Umstellung auf bleiarme Legierungen

Vor dem Hintergrund dieses sich wandelnden Rechtsrahmens stellt die Umstellung auf bleiarme Legierungen einen strategischen Erfolgsfaktor für die Branche dar.

Dank unserer langjährigen Erfahrung in der Bearbeitung von Kupferlegierungen unterstützen wir unsere Kunden bei der Entwicklung und Fertigung von Komponenten, die den neuen Anforderungen des europäischen Marktes entsprechen. Dabei bieten wir umfassendes Fertigungs-Know-how und technische Unterstützung für Werkstoffe wie:

  • CW724R;

  • CW510L;

  • weitere bleiarme Legierungen.

Unser Ziel ist es, unsere Kunden während des gesamten regulatorischen und technologischen Anpassungsprozesses zu begleiten und sie bereits in den frühen Phasen der Produktentwicklung und Industrialisierung technisch zu unterstützen.

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